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An der Innerste
Im Oberharz ihr silbernes Band
zieht die Innerste munter durchs Land,
von hohe Tannen umgeben.
Hier auf der Bank am glitzernden Fluß
da habe ich ihr den ersten Kuß
vor vielen Jahren gegeben.
Wie war das Tal da so traumhaft schön,
wie strahlten da die waldigen Höh'n,
so sonnig, so golden, so helle!
Die Vogelschar betörte das Ohr,
das Lied der Lieder schwebte empor,
begleitet vom Plätschern der Welle.
Nichts Schön'res auf der Erde es gibt,
als zwei Herzen im Lenze verliebt,
die süßen Stunden genießen
der lichten, herrlichen Jugendzeit
in unbeschwerter Glückseligkeit,
am traulichen Plätzchen zum Küssen.
Heut ging ich wieder am Fluß entlang
und sitze nun einsam auf der Bank
unter den wissenden Bäumen.
Jahrzehnte drängen die Zeit zurück
der jungen Liebe - doch kann ich zum Glück
von ihren Bildern noch träumen.
Karl Tietz
Quelle: Allgemeiner Harz-Berg-Kalender für das Jahr 1970; S.90
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