Im Morgenlicht der alte Mann ...

Im Morgenlicht der alte Manne
geht Schritt für Schritt, so gut er kann,
oftmals den Berg hinauf.
Er schaut sich um noch manches Mal
und blickt versunken in das Tal
mit seines Flusses Lauf.

Sein Dackel springt vergnügt herum,
als wär der Berg sein Eigentum.
Die Augen braun und blank
rennt er nun durch den Tannenwald.
Er weiß, sein Herr kommt nach alsbald
an seine Lieblingsbank.

Hier oben sind sie ganz allein.
Es hat der Morgensonne Schein
erreicht das Plätzchen schon,
umschmeichelt es devot und weich.
Hier ist des Alten Königreich,
die Waldbank ist sein Thron.

Hier ist der Wald sein stolzes Schloß,
mit Teppichen aus weichem Moos
rings ausgestattet gut.
Ein Vögelchen im grünen Baum
erfüllt süß mit Gesang den Raum,
den schmückt der Fingerhut.

Johanniskraut glänzt goldesschwer.
Ein Falter taumelt hin und her -
ein Pfauenauge gar.
der Alte alles froh genießt,
bis er beglückt die Augen schließt.
Sein Reich ist wunderbar!

Doch was einst war, so grübelt er,
in seinem Leben hart und schwer,
das Glück es überwand.
Er wollte oftmals weitergehn
und hatte es fast übersehn,
daß es am Wege stand.

Jetzt drückt ihn weder Pflicht noch Last,
er sucht sich gern als hoher Gast
nur noch das Beste aus.
Der Dackel ermahnt seinen Herrn,
die Mittagsglocke klingt von fern.
Behutsam geht's nach Haus.

Karl Tietz

Quelle: Allgemeiner Harz-Berg-Kalender für das Jahr 1971; S.108

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