Im Oberharzer Wald

Wer andächtig sieht auf der Höh'
ein zartes Morgenrot erglühen,
im leichten Frühnebel das Reh
mit Kitz durch Gras und Farnkraut ziehen,
hört, wie durch tauerfrischte Räume
des Hähers Morgenruf erschallt,
Harzduft genießt der Fichtenbäume,
der liebt dich, ewig junger Wald.

Wer in der Mittagszeit genoß
des grünen Waldes milde Kühle
und ausgestreckt im weichen Moos
empfand die zauberische Stille,
sah droben stolz den Habicht kreisen
über Wipfeln sonnenglanzbestrahlt,
muß Ehrfurcht dir und Dank erweisen,
muß lieben dich, du schöner Wald.

Und wenn der Abendschatten sinkt,
lockend blinkt die Quelle am Gestein,
scheues Wild die kühle Labe trinkt,
schlanke Birken spenden matten Schein,
hat tiefe Ruhe uns umgeben;
kein Hasten gibt es, noch Gewalt.
Du bist ein Kleinod hier im Leben -
Wir schützen Dich, schöner Wald.

Karl Tietz

Quelle: Allgemeiner Harz-Berg-Kalender für das Jahr 1975; S.48

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